Mobiltelefone gefährlicher als Rauchen

Hirnforscher warnt vor starkem Anstieg bei Tumoren – Industrie soll Sofortmaßnahmen zur Strahlungsreduzierung einleiten

Von Geoffrey Lean

Durch Mobiltelefone könnten wesentlich mehr Men-schen sterben als durch Rauchen oder durch Asbest. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines preis-gekrönten Krebsspezialisten. Die Menschen sollten Mobiltelefone wo immer möglich meiden, so der Ex-perte. Regierungen und Mobilfunkindustrie müssten sofortige Schritte einleiten, um die Strahlenexpo-sition zu reduzieren.
Die Studie[1] von Dr. Vini Khurana[2] ist die ver-nichtendste Anklage, die bisher über die Gesund-heitsrisiken veröffentlicht wurde. Sie stützt sich auf wachsende Hinweise – der Independent on Sunday berichtete exklusiv im Oktober -, nach denen der Gebrauch von Mobiltelefonen über einen Zeitraum von zehn oder mehr Jahren das Risiko für einen Hirntu-mor verdoppeln kann. Krebserkrankungen brauchen für ihre Entwicklung mindestens zehn Jahre. Die offi-ziellen Zusicherungen der Gefahrlosigkeit stützen sich auf frühere Studien, die aber kaum Menschen untersuchten, die die Telefone über einen langen Zeitraum benutzt hatten.

Anfang des Jahres hat die französische Regierung vor dem Gebrauch von Mobiltelefonen, vor allem durch Kinder, gewarnt. Auch Deutschland rät seiner Bevölkerung, den Handygebrauch zu minimieren, und die Europäische Umweltagentur hat eine Verminderung der Exposition gefordert.
Professor Khurana – ein führender Neurologe, der 14 Auszeichnungen in den letzten 16 Jahren erhalten und mehr als drei Dutzend wissenschaftliche Ver-öffentlichungen publiziert hat – prüfte mehr als 100 Studien über die Auswirkungen von Mobiltelefo-nen nach. Er hat die Ergebnisse auf einer Hirnchi-rurgie-Webseite veröffentlicht. Eine Arbeit, die auf der entsprechenden Forschung basiert, befindet sich zurzeit in der Peer-Review für die Veröffent-lichung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift.
Khurana räumt ein, dass Mobiltelefone in Notsitua-tionen Leben retten können, kommt aber zu dem Schluss, dass „es eine signifikante und zunehmende Menge an Beweisen für einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefongebrauch und Hirntumoren gibt“. Er ist überzeugt, dass dies in den nächsten zehn Jahren „defintitiv nachgewiesen“ wird.

Khurana, der davon ausgeht, dass bösartige Hirntu-more „eine lebensbeendende Diagnose“ bedeuten, fügt hinzu: „Wir erleben gerade eine reaktiv unkontrol-lierte und gefährliche Situation.“ Wenn die Indus-trie und die Regierungen nicht „sofortige und ent-scheidende Schritte“ unternähmen, befürchtet er das weltweit gehäufte Auftreten bösartiger Hirntumore und eine entsprechende Todesrate innerhalb der nächsten zehn Jahre, wobei es dann für ein ärztli-ches Eingreifen viel zu spät sein werde.
„Es ist zu erwarten, dass diese Gefahr weit größere Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit haben wird als Asbest und Rauchen“, so Professor Khurana, der dem Independent on Sunday mitteilte, diese Be-wertung beruhe auch auf der Tatsache, dass es welt-weit heute drei Milliarden Mobiltelefonbenutzer gebe, dreimal mehr als Raucher. Durch Rauchen ster-ben jedes Jahr weltweit rund fünf Millionen Men-schen. Asbest ist in Großbritannien für genauso viele Todesfälle verantwortlich wie Verkehrsun-fälle.
Die Vereinigung der Mobilfunkbetreiber wies Khuranas Studie in der vergangenen Woche als „selektive Diskussion wissenschaftlicher Literatur durch eine Einzelperson“ zurück. Er habe „keine ausgewogene Analyse“ der veröffentlichten Studien präsentiert und „kommt zu gegenteiligen Schlussfol-gerungen wie die WHO und 30 weitere unabhängige wissenschaftliche Expertenberichte.“

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